Leere gibt es in uns allen. Hier gibt es zwei verschiedene Herangehensweisen: Die Leere zu füllen um sie zu vermeiden oder die Leere zu füllen um uns zu bereichern. Das ist auch wieder ein Balanceakt. Und es kommt auf die Intention an – so kann alles Vermeidung als auch Bereicherung sein. Wir haben alle Angst vor der Leere. Ich will die Leere in mir ungern spüren. Das Loch in mir, in dem meine Ängste schlummern. So ist der erste Schritt eigentlich zu spüren, was da in der Leere ist und wovor ich Angst habe. Ich bin beispielsweise schnell nervös, wenn ich etwas nicht spüren will, was in mir schlummert. Das kann die Angst sein, nichts mit sich anfangen zu wissen, sich einsam zu fühlen, etwas vor sich herzuschieben, etc…

Wie schaffen wir es jetzt also die Leere zu füllen und uns aufzuladen, statt sie zu Vermeiden und das Loch damit nur noch größer zu machen?

Mir hilft als ersten Schritt: Innehalten und die Leere fühlen. Einfach spüren, was da ist: Ok, ich bin nervös, oder ich habe Angst, oder bin wütend, oder traurig. Das ist hinter der Leere.

Zweite Frage: Was brauche ich jetzt, um aufzuladen? Essen, Trinken, Ruhe, Bewegung, eine E-Mail schreiben, vor der ich mich schon lange drücke, ein gutes Buch, schlafen, Berührung, Kommunikation mit Freunden…

Hier ist es wichtig, seine Intention zu überprüfen: All die Beispiele können genauso gut Vermeidung sein. Ich bin eine Meisterin in Verdrängungsschlaf und kann es mir selbst gut als Erschöpfung verkaufen und dass ich eben einfach Erholung brauche. Viel zu Lange habe ich Kommunikation mit anderen dafür genutzt, nicht in Kontakt mit mir selbst zu sein und war immer unterwegs oder in Beziehung. In Beziehung mit allen, aber nicht mit mir selbst. Andere gehen laufen und rennen damit vor der Leere weg. Ein Lauf kann super sein um angestaute Energie in Bewegung und Fluss zu bringen, sodass wir uns wieder spüren können.

Balance und Intention sind hier elementar.

Wichtig in meiner Welt ist auch: Struktur – flexible Struktur mit der notwenigen Disziplin.

Ich bin grundsätzlich kein Strukturfan, weil ich da eine zu starke Tendenz sehe, die Leere zu vermeiden. Aufstehen, das Gleiche zum Frühstück wie immer, um die gleiche Zeit ins Büro und danach zum Sport, essen, schlafen und wieder von vorne. Das ist zu sehr Checklisten abhaken, hat für mich zu wenig mit fühlen zu tun und noch weniger mit dem natürlichen Fluss des Lebens. Dennoch empfinde ich es wichtig, Strukturen zu schaffen, die uns helfen, unser Leben noch mehr zu genießen. Ich zum Beispiel weiß, dass ich morgens mindestens zwei Stunden brauche, bevor ich beginne mit der Außenwelt zu interagieren (mein Freund ist die Ausnahme und sehr willkommen in diesen zwei Stunden). Ich kenne die Dinge, die mir gut tun in diesen zwei Stunden und die ich brauche für einen guten Tag: Meditation, Frühstück, baden im Meer, Yoga, schreiben, lesen – ich mache selten alles, aber ich weiß, was ich brauche und kann dann spontan entscheiden, was will ich essen, will ich zum Strand oder nicht oder will ich am Strand meditieren. Das ist flexible Struktur.

Auch hier geht es um Balance, denn Struktur ist wichtig, sodass wir nicht ständig zu viele Entscheidungen treffen müssen und jeden Morgen ganz von vorne anfangen müssen. Und da ist es auch in Ordnung jeden Dienstag und Donnerstag zum Sport zu gehen. Es ist aber auch in Ordnung, das mal abzusagen, wenn einem nach was anderem der Sinn steht. Das ist die Balance zwischen Disziplin und Flexibilität.

Ein Potpourri an erprobten Möglichkeiten, die uns gut tun ist hilfreich. Dann ist es wichtig zu fühlen, was ist es, das ich jetzt brauche?

Was mir dabei hilft ist, in meiner Meditation morgens zu schauen, was meine Intention oder mein Fokus des Tages ist. In dieser Meditation achte ich zu Beginn nur auf meinen Atem und lass es still werden, verbinde mich mit mir selbst. Das dauert an manchen Tagen eine Minute, an anderen 15 Minuten, und manchmal klappt es gar nicht, das ist dann auch ok. Nachdem die Verbindung zu mir selbst gelungen ist, frage ich: „Was ist heute wichtig für mich?“ – Die erste Antwort zählt. Und das kann alles sein: Bleib gelassen, konzentriere dich auf die Liebe, mach deine Steuer, schreibe – dem zu vertrauen ist elementar und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es immer gut ist, darauf zu hören, was dein Inneres dir zu sagen hat. Dann frag ich weiter, um es etwas alltagstauglicher zu machen. Ein praktisches Beispiel: Ich habe einen vollen Tag geplant und dann kommt die Antwort: „Schreibe. “ – Hmm, das war nicht eingeplant: Wie kann ich das machen? Worüber soll ich schreiben? „Schreib einfach 30 Minuten, über das Thema Leere“. Dann kommen schnell alle möglichen Argumente, warum das nicht geht: Ich habe keine 30 Minuten Zeit, ich weiß nicht, was ich über das Thema Leere schreiben soll, das dauert dann noch länger und ich habe ja eigentlich keine Zeit…

Alles Quatsch. Mittlerweile weiß ich, die Ansagen aus meinen Morgenmeditationen zu befolgen (also auf mich selbst zu hören J). Ich habe mir Zeit genommen zu schreiben. Am Ende sogar eine Stunde statt eine halbe (obwohl ich ja eigentlich gar keine Zeit hatte). Ich habe das Wort Leere geschrieben und es ist einfach nur geflossen, auch wenn ich dem Thema vorher noch keine Gedanken zum Schreiben geschenkt habe.

Es ist alles in uns, wir müssen nur darauf hören. 🙂

Liebe,

Nora