Ich schreibe über mein Burnout, weil ich damals vergebens nach Erfahrungsberichten gesucht habe. Ich wünsche mir, dass ich Menschen in ähnlichen Situationen das Gefühl geben kann, sich verstanden und nicht alleine zu fühlen. Wenn Du Fragen hast, mit mir reden willst oder mir einfach Deine Geschichte erzählen willst, in der Hoffnung, verstanden und gehört zu werden, meld Dich sehr gerne bei mir. Viel Spaß beim Lesen meiner Reise.

DIE ERSTEN SIGNALE

Ich fühle mich total erschöpft. Ich komme nicht aus dem Bett. Jede Sekunde ist ein Kampf gegen mich selbst. Ich kann eigentlich nicht mehr. Mir kommen oft einfach die Tränen, ohne dass ich es merke und ich hoffe, dass mich einfach alle in Ruhe lassen. Ich wollte schon längst mal wieder Zeit für mich haben und etwas für mich selbst machen. Damit habe ich bis jetzt aber nicht angefangen. Ich bin schon stolz, wenn ich es schaffe meine Wäsche zu waschen und aufzuhängen. Das ist eigentlich alles, was ich außer schlafen in meiner Freizeit noch mache. Was ist bloß los mit mir? Ich fange an von Arzt zu Arzt zu rennen, ein Blutbild hier, ein Blutbild da – mit mir scheint körperlich alles ok zu sein. Was ist es dann? Warum kann ich nicht mehr? Warum fallen mir selbst nach 10 Stunden Schlaf die Augen immer wieder zu? An irgendeinem Sonntag im Oktober breche ich regelrecht zusammen, die Tränen laufen einfach mein Gesicht herunter, ohne das ich irgendeine Emotion habe. Die Entscheidung am nächsten Tag nicht zur Arbeit zu gehen, sondern zum Arzt, trifft meine Mama für mich. Ich bin zu keiner Entscheidung in der Lage und auch zu schwach, um mich zu wehren.

DIE „DIAGNOSE“

Die Ärztin sagt mir, dass ich Burn-Out habe. Was zur Hölle ist denn ein Burn-Out? Sie empfiehlt mir mindestens acht Wochen Pause zu machen und dann erneut zu entscheiden. Was soll ich denn in der Zeit machen? „Essen, trinken, atmen – das wird erstmal alles sein, worauf Sie sich die nächsten Wochen konzentrieren“.

„OK, MOMENT MAL… ICH KANN GAR NICHT SO LANG FEHLEN. IM BÜRO WERDE ICH GEBRAUCHT UND ICH HABE NOCH SO VIEL ZU TUN UND ICH WILL DAS JA AUCH ALLES MACHEN UND DAS GEHT ALLES NICHT SO…“

Ich bitte sie darum, mich für eine Woche krankzuschreiben und bin davon überzeugt, wenn ich mich mal eine Woche richtig ausschlafe, ist das alles wieder ok. Eine Woche schlafen bekomme ich gut hin. Ich mache tatsächlich nichts Anderes außer Schlafen. Mindestens 20 Stunden am Tag. Alles andere ist regelrecht undenkbar. Ich bin erschöpft. Ich kann einfach nur daliegen und schlafen. Aber gut, ich habe nun mal eine Woche Zeit dafür, also nutze ich sie jetzt auch. Gegen Ende der Woche werde ich schon ziemlich nervös, weil ich merke, nichts ändert sich, ich bekomme kleine Panikattacken, habe Angst, immer mal wieder bei den unterschiedlichsten alltäglichen Dingen.

DAS EINGESTÄNDNIS

Ich kann unmöglich zurück ins Büro gehen. Ich bin einfach zu nichts anderem außer Schlafen in der Lage. Mein Körper hat komplett auf Überlebensmodus geschaltet und verwendet jegliche Energie auf Regeneration.

Ich schreibe eine E-Mail ans Team, in der ich mitteile, dass es mir nicht gut geht und ich aus psychischen Gründen erstmal raus bin – wie lange weiß ich nicht. Jetzt habe ich die Zeit für mich. Das war das schwerste Eingeständnis: aus gefühlten 200% Leistungsfähigkeit sind plötzlich 2% geworden. Ich erinnere mich an einen Nachmittag bei meinen Eltern, an dem ich die Spülmaschine ausräumen wollte, um mich nach Wochen mal wieder an irgendetwas zu beteiligen. Meine Eltern waren spazieren und ich machte mich auf den Weg in die Küche. Da stand ich nun wie angewurzelt, vor der geöffneten Spülmaschine und fragte mich, wie man das wohl macht. Fängt man oben an oder unten? Mit dem Besteckkörbchen oder was macht am meisten Sinn? Nach 10 Minuten Überforderung gebe ich tränenüberströmt auf, ohne dass ich ein Teil angefasst habe. Es gab schlichtweg keine Ressourcen in mir. Keine, die für irgendetwas zur Verfügung standen, dass nicht meiner Heilung diente.

Was mache ich jetzt bloß? Weiterhin viel schlafen. Das ist erstmal wichtig. Mit der ganzen Ruhe komme ich an viele Gefühle. Vor allem Wut und Trauer. Ich bin wütend auf die ganze Welt und vor allem auf mich selbst. Wie konnte ich so sehr gegen mich selbst handeln? Wie konnte ich mich selbst so sehr vergessen, dass ICH einfach nicht mehr existent war.

DIE REISE

Was dann kommt, ist eine lange Reise in kleinen Schritten zurück zu meinem vergessenen Ich. Aus acht Wochen wurden acht Monate (zumindest acht Monate ohne Arbeit – die Reise dauert weiterhin an).

Ich starte (nach sehr großem Widerstand) eine Therapie und lerne neue, alte Dinge über mich. Verstehe, woher die Überforderung kommt, woher die Wut, woher die Trauer, wie ich mit allem umgehen kann und wie ich die alten Wunden heilen kann, um wieder ein Leben zu leben, das mir mehr entspricht. Viele, viele dunkle Nächte, Tränen, Überforderung, Hoffnungslosigkeit, Angst und Wut folgen. Dieses Gefühl, den Alltag nicht mehr bewältigen zu können und sich über Monate nur auf die Basics zu konzentrieren, macht mich verrückt und wütend.

Ich meditiere, mache Yoga, schlafe nach wie vor unendlich viel, gehe zur Therapie, spazieren, ernähre mich gesund – auf viel mehr kann ich mich nicht konzentrieren und das ist schon viel. Jeder Tag ist anstrengend und es ist nach wie vor wahnsinnig viel Druck in mir und die Angst, wohin die Reise denn eigentlich geht.

ERSTE HOFFNUNG

Mir wird bewusst: Es geht keinen falls darum, dass ich einfach wieder fit werde, um in das alte Umfeld zurückzugehen und wieder zu „funktionieren“. Mein Burnout erinnert mich daran, zu lernen, mich selbst zu spüren. Will ich zurück? Was will ich eigentlich vom Leben? Was kann ich gut? Wovor habe ich Angst und warum? Wo ist die Angst gesund und wo sollte ich sie eher als Motivator sehen. Das, was ich lange ignoriert habe, lerne ich dann im Schnelldurchlauf. Irgendwann macht es Klick. Irgendwann verstehe ich, dass das alles so seinen Sinn hat. Dass das alles richtig ist und mir nur auf meinem Weg hilft. Ich erlange mein Vertrauen ins Leben wieder zurück und erlaube mir (wenn auch häufig mit vielen negativen Gefühlen) langsam einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Meine eigenen Grenzen und Bedürfnisse wieder spüren zu lernen und Vertrauen in mich zu entwickeln, dass ich ganz genau weiß, was gut und nicht gut für mich ist.

DAS KALTE WASSER

Eine Sache weiß ich nach ca. vier Monaten: Ich kann unmöglich zurück. Das war nicht Ich und das bin ich heute noch weniger. Bzw. bin ich mir heute bewusst, dass ich es nicht bin. Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll und wie ein Leben, das nicht 9-to-5 ablaufen könnte, aber ich weiß, ich kann das nicht mehr leben. Ich entscheide mich zu kündigen. Nach vielen Tränen kommuniziere ich die Entscheidung meinem Chef, der absolut verständnisvoll reagiert und mich gehen lässt und mich in meiner Entscheidung unterstützt. Ich habe mir vorab 1000 Szenarien überlegt, wie dieses Gespräch ablaufen könnte, eingetreten ist Szenario 1001.

Nach der Kündigung weine ich mehrere Tage. Es fühlt sich an, als würde ich mich von der Liebe meines Lebens trennen. Ich gab Identität auf. Einen riesengroßen Teil meiner Identität, der zu meiner Überraschung falsche Identität war. Denn es war weit weg von meinem wahren Selbst.

„AM ENDE WIRD ALLES GUT UND WENN ES NICHT GUT IST, IST ES NOCH NICHT DAS ENDE“ – OSCAR WILDE

Getrieben von dem, was ich nicht mehr wollte, fiel es mir irgendwie leichter zu vertrauen, dass es etwas gibt, was ich wollen könnte. Ich nehme mir fest vor, jetzt mit Menschen zu arbeiten und meinem Traum zu folgen und zu coachen. Das mach ich auch – allerdings mache ich erstmal einen kleinen Schlenker mehr und gründe facebookcoaching, wo ich Menschen beibringe, wie sie selbst ihr Online Marketing steuern. Eigentlich war es eine ganz gute Idee zum Übergang. Erstmal wieder Fußfassen, lernen, meinen Arbeitsalltag selbst zu gestalten und spüren, was mir guttut und was nicht und nebenbei meinen Traum verfolgen, Menschen zu coachen. Dieses Nebenbei habe ich auch wieder vernachlässigt und so wurde der kleine Schlenker zu einem größeren mit einer Krankheit mehr… Aber das ist eine andere Geschichte.

DIE WICHTIGSTE ERFAHRUNG

Stolz, Erfahrung und Vernunft haben uns häufig ganz schön im Griff. Heute ich bin überzeugt davon, dass unser Herz ganz genau weiß, wohin die Reise gehen soll. Das ist mit Sicherheit nicht der einfachste Weg. Aber am Ende bestimmt der schönste. Es sind die kleinen Dinge, die glücklich machen und Dir immer wieder das Gefühl geben, dass wirklich alles gut wird. Ich hatte viele Tiefpunkte. Da wollte ich nur allein sein, da hatte ich auch keine Lust, etwas Gutes für mich zu machen, da nervte mich dieser langsame Fortschritt einfach unheimlich. Da war mir jeder Kontakt zu viel. Da wollte ich mit niemandem reden und schon gar nicht irgendeinen schlauen Ratschlag hören. Aber ich komme irgendwann auch immer wieder raus und dann bin ich schon wieder ein kleines Stückchen gewachsen. Irgendetwas kleines holt mich aus dem Tief raus. Ein Spaziergang, eine Blume, ein Blick in den Himmel. Immer etwas anderes und oftmals dauert so eine Tiefphase eine ganze Weile, aber irgendwas Gutes bringt sie tatsächlich immer mit sich.

Meine wichtige Botschaft aus dem Burnout: Hör auf dich selbst. Mach Schluss mit „höher, schneller, weiter“ – vor allem um irgendwen anderes glücklich zu machen. Ganz egal ob Mama, Papa, Bruder, Schwester, Chef, Gesellschaft – Das klingt abgedroschen, ist aber so. Die Abhängigkeit nach Anerkennung von außen ist der negativste Antrieb für uns.

Es gibt einen Weg, der für Dich vorgesehen ist. Es gibt etwas, dass Dir pure Freude bereitet und das kannst Du leben. Ich ermutige jeden, seinem Herzen zu folgen, seinen Verstand weise zu nutzen (es ist ein Geschenk, dass wir diesen Verstand haben) und auf seinen Körper zu hören. Der ist der beste Lehrer.

Ich weiß, wie schwer es ist, Ruhe zu akzeptieren, anzunehmen und sogar irgendwann genießen zu können, dass sie wirklich immer in einem selbst wohnt. Aber der Weg ist es wert. Ich habe akzeptiert und akzeptiere es immer wieder, dass ich auf der Reise bin – das ist das Leben. Und wenn ich mich daran erinnere, Herz, Verstand und Körper gleichermaßen miteinzubeziehen, kann ich die Reise genießen.

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