Wir sollten wieder lernen, einander zuzuhören. Was hindert uns eigentlich daran? Ich glaube, es ist der Drang, dass wir ständig etwas tun müssen und nicht einfach nur sein können. Wir hören zu, um zu antworten. Unser Verstand hört nicht auf, wenn wir zuhören. Wir „funktionieren“ weiter. Wir wollen das Problem des anderen lösen, eine smarte Antwort parat halten, etwas von uns erzählen, weil wir schon etwas Ähnliches erlebt haben. Was passiert, wenn wir einfach nur zuhören? Uns ganz auf den anderen einlassen und jedem als ein Geschichtenerzähler begegnen. Egal ob Kind, Tante, Großmutter oder ein Fremder.

Was könnten wir lernen, wenn wir uns einlassen und uns von der Geschichte des anderen berühren lassen, egal ob es eine kleine Anekdote ist, eine fröhliche oder traurige Geschichte? Wenn wir der Geschichte des anderen einfach Raum geben, dass sie gehört werden kann und Platz findet? Und den Anspruch und die Anstrengung loslassen, auf eine besondere Art und Weise antworten zu müssen, um ein bestimmtes Bild von uns selbst zu hinterlassen. Das ist ganz schön egoistisch, wenn wir zuhören, um selbst Gehör zu finden und auch irgendwie zum Scheitern verurteilt.

Ich will das wieder versuchen. Einfach nur zuzuhören, um meinem Gegenüber Gehör zu schenken. Und ich will auch darum bitten, Gehör zu bekommen, wenn ich es brauche.

Darauf, dass wir uns wieder anschauen und mit dem Herzen zuhören und unseren Verstand dabei einfach mal ruhen lassen. Wir müssen uns nicht beim Zuhören auch noch beweisen. 🙂

Liebe,

Nora